Stella Maris

„Kirchenmusik, die Zwillingsschwester dieser Architektur,
bringt mein Herz und meinen Geist zur Entfaltung.“
August Rodin

STELLA MARIS: Chartres-Oratorium

Das Oratorium Stella Maris ist eine Hommage an die Kathedrale von Chartres und stellt den Versuch dar, mit heutigen Mitteln der Kunst eine Antwort zu geben auf das Gesamtkunstwerk „Chartres“. Urheber ist der Komponist Helge Burggrabe, der als junger Musiker 1996 zum ersten Mal nach Chartres kam und seitdem dort mehrmals jährlich verweilt und arbeitet. Aus Anlass der 1000 Jahr-Feierlichkeiten in Chartres wurde er beauftragt, ein Werk für die Kathedrale zu schreiben.
Das Chartres-Oratorium wurde am 8. September 2006 als europäisches Kulturprojekt unter der Schirmherrschaft der Botschafter von Frankreich und Deutschland mit internationalen Solisten und mit Chören aus Chartres und Hamburg in der Kathedrale uraufgeführt. Der deutsch-französische Fernsehsender ARTE begleitete die Uraufführung und erstellte einen Dokumentarfilm, der seither in mehreren Ländern ausgestrahlt wurde und mittlerweile so ein Millionenpublikum erreichte. Ein Konzertfilm und die Veröffentlichung einer DVD folgten, ebenso weitere große Aufführungen im Mariendom, Neviges, im Kölner Dom, in der Dresdner Frauenkirche und im Kaiserdom Königslutter.

Komponist: Helge Burggrabe

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Homepage des Komponisten:
www.burggrabe.de

Stella Maris Concert DVD:

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Link zur DVD:
www.amazon.de
Trailer:
Stella Maris DVD Trailer

 

 

Thematik des Werkes

Roter Faden in diesem Chartres-Oratorium ist eine Annäherung an die Frauenfiguren Maria und Sophia. Zu Beginn des Werkes tritt Sophia auf, von der die Bibel berichtet, dass sie bereits vor Erschaffung der Welt an der Seite Gottes weilte. Die Sängerin (Sopran) trägt eine blaue Scheibe aus Chartreser Glas und stellt sich als personifizierte Weisheit vor. Es folgen Vertonungen von Ausschnitten der Genesis, die vom Urmeer und der Erschaffung des Lichts handeln, bevor Maria (Rezitation) zum ersten Mal erscheint. Maria spricht stellvertretend für eine Frau aus der heutigen
Zeit Monologe im Stil von Tagebucheinträgen. einer zweiten, universellen Erzählebene werden Texte aus dem „Marienleben“ von Rainer Maria Rilke in Form von Soloarien (Sopran) vorgetragen. Zusammen mit den Chorstücken „Je suis le silence I-III“ bieten sie Raum für weiterführende Reflexionen. Weiterhin zitiert das Libretto aus dem berühmten Gesang der Maria „Magnificat“ und greift einen Marientext des Chartreser Gelehrten Fulbert (um 1.000 n. Chr.) auf.
Das Werk endet im Finalstück mit den Worten der Schriftstellerin und Nonne Silja Walter: „Sie wird aus den verwitterten Fresken ausbrechen. (…) Brich die Wand von innen her auf, sprich offen zu uns, Maria“.

Wie die Handlung lebt auch die Musik von der Polarität zwischen Alt und Neu, indem sie gregorianische Elemente mit einer neueren Musiksprache verbindet. Das von Solisten und Chor gesungene Wort wird instrumental durch die solistischen Melodielinien von Cello und Blockflöte einerseits und die Klangfülle der Orgel andererseits weitergeführt.

 

 

Licht, Wasser und Raum

In dem Marienbegriff Stella Maris klingen zwei zentrale Elemente an: Licht und Wasser. Daher unterstützt ein Lichtkonzept die Handlung des Oratoriums und schafft außerdem neue Raumerlebnisse durch dezent eingesetztes Architekturlicht. Der Wasser-Aspekt wird realisiert von dem Künstler Alexander Lauterwasser, der mit seinen Bildern den Dialog von Klang und Wasser sichtbar macht. Bei der von ihm entwickelten Wasserklang-Projektion wird ein mit destilliertem Wasser gefülltes Gefäß von unten her mittels eines speziellen Schallwandlers durch die Klänge der Musik zum Schwingen gebracht. Über Lichtreflektionen werden die Verteilungen und Wanderungen der Wellenbewegungen sichtbar gemacht, gefilmt und auf eine Leinwand projiziert.

TIm Zusammenspiel von Musik, Sprache, Licht- und Wasserkunst erfährt das Publikum eine Verdichtung des Augenblicks auf mehreren Ebenen: Raumwirkung, Höreindruck und Musikvisualisierung sorgen für ein synästhetisches Erlebnis.

Komprimiert auf eine rund zweistündige Aufführung, greift das Oratorium den Kathedralansatz eines Gesamtkunstwerkes auf und transportiert wesentliche Aspekte der Chartreser Ideenwelt: Die theologisch-philosophische Basis wurde geprägt von einer ganzheitlichen Weltsicht, in seinen Texten und Musikstilen würdigt das Werk die Tradition und verbindet sie mit neuen Ideen. Die Ordnung und das rechte Maß spielen im Aufbau des Werkes eine große Rolle und den erzählerischen roten Faden schließlich bildet die vielschichtige Marienthematik, wie sie so nur in Chartres anzutreffen
ist.

Dieses Werk ist radikal in einem tieferen Sinn. Es greift an unsere Wurzeln und bringt uns dadurch zu höchsten Höhen – es trifft uns im positiven Sinn in der Mitte, in einer Zeit, in der uns die Mitte fehlt.